01.12.2014 16:59

Heute mal ein bisschen Geschichte über Motorroller made in GDR im Industriewerk Ludwigsfelde

In den 60er Jahren begann die Geschichte der Motorroller in der ehemaligen DDR. Dies geschah in den ehemaligen VEB Industriewerke Ludwigsfelde im heutigen Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.


Im Februar 1955 begann nach einer 2 jährigen Entwicklungszeit die Serienproduktion des IWL „Pitty“. Der „Pitty“ besaß eine Karosserie als Wetterschutz, mit einem Durchstieg zwischen dem Frontteil und dem Fahrersitz. Besonders die Frauen begrüßten diese Bauweise. Somit entsprach der „Pitty“ mit seinem optischen und technischen Erscheinungsbild den bis heute gültigen Kriterien eines Motorrollers. Die Einstiegsbauweise hielt sich bis zur Produktionseinstellung der danach gebauten SR 50 Typ Simson 1989.

1956 wurde das Nachfolgemodell SR (Stadtroller) 56 „Wiesel“ vorgestellt. Dieses Modell erhielt eine technisch und optische Überarbeitung, allerdings wurde der 125-ccm-Einzylinder Zweitakter beibehalten. Mit dem jetzt produzierten separaten Vorderkotflügel wirkte der „Wiesel“ beweglicher und eleganter. Dieses Modell wurde bis 1959 produziert.

Von 1959 bis 1962 wurde der SR „Berlin“ mit großem Erfolg produziert und verkauft. Der Roller bekam eine verstärkte Motorisierung in Form eines 150 ccm Einzylinder Zweitakt MZ Motor. Außerdem wurde der Roller optisch dem damaligen Zeitgeist angepasst. Der Roller SR „Berlin“ wurde über 100.000 mal verkauft.

1960 kam für alle zweiradmotorisierten Liebhaber der Einachsanhänger „Campi“ auf dem Markt. Der Anhänger wurde mit einer Auflage von 5000 Exemplaren bis 1964 gebaut.  In Kombination mit dem „Campi“ heute noch auf jeder Oldtimerveranstaltung ein Blickfang. Der Anhänger ist mit den Modellen „Wiesel“, „Berlin“ und „Troll“ fahrbar. Der Anhänger wurde aus Bau- bzw. Karosserieteilen des Motorrollers „Wiesel“ gebaut.

Der TR (Tourenroller) Troll 1 ging 1993 in Serie, wurde aber aufgrund von einer Firmenumstrukturierung 1964 wieder eingestellt.

Somit endete auch die Roller Herstellung im VEB Ludwigsfelde aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Lastkraftwagen. Die schon bestehenden Kapazitäten in Werdau und Zittau für die LKW-Herstellung reichten nicht mehr aus. Somit wurde der Rollerbau in Ludwigsfelde eingestellt. 1964 wurde Ludwigsfelde in VEB IFA-Kraftfahrzeugwerk umbenannt und die Produktion des W 50 begann.

Heute produziert Daimler im Werk Ludwigsfelde, das Unternehmen heißt nun Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH.



 

02.05.2014 18:51

Frühling, Sommer, Sonne und die Schwalben kommen


Immer wieder sehe ich eine Schwalbe. Nein, keinen Vogel, sondern der Kult-Roller aus dem Osten. Und es werden wieder mehr.
Neben dem Trabbi, der Simson als Moped, der MZ als Motorrad ist die Schwalbe ein Kleinroller, welcher zu DDR Zeiten in Suhl gebaut wurde. Heute wirkt die Schwalbe, neben den modernen Rollern, wie ein Gefährt aus einer anderen Zeit.


Das Grundkonzept geht auf die 50er Jahre zurück und verfügt heute über einen entsprechenden Kultfaktor und das nicht nur in der ehemaligen DDR.
Die Schwalbe wurde von 1964 bis 1986 in 3 Generationen gebaut. 
1964-1967 war es die KR 51, von 1968-1980 wurde die KR 51/1 und von 1980-1986 die KR 51/2 gebaut.

Es gab stets einen Grundtypen und einen Grundmotor. Dieser besitzt nur 3 Gänge, reibungsgedämpfte Federbeine und bescheidenes Licht (15 Watt). Ab 1980 gab es schon 25 Watt. Typische Farben waren, orange, pastellgrün und das bekannte Schwalbe-Blau. Ab 1984 wurden die Schwalben in saharabraun oder ockerbraun produziert. 
Von 1964 - 1971 wurde der Grundtyp mit einer Handschaltung gebaut.


Das erste Sondermodell, die KR 51/1 S hatte eine Halbautomatik und kam 1971 auf den Markt. Hier musste man nicht kuppeln, sondern konnte mit der Schaltwippe die Gänge wählen. Es ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, die Beschleunigung ist langsamer, aber man kann dafür sehr entspannt durch den Stadtverkehr knattern. Weiterhin kann das Modell mit verchromten hydraulisch gedämpften Federbeinen punkten. Das Modell wurde von 1971 - 1977 in Olivgrün und von 1978-1980 in Kirschrot gebaut. Dieses Sondermodell gilt als Geheimtipp unter den Liebhabern.

Natürlich hat die Schwalbe auch Geschwister. Es gab schließlich eine ganze Vogelserie. Die Schwalbe wurde am häufigsten und längsten gebaut und ist somit das bekannteste Modell.
Der Mockick-Bruder ist der "Star", technisch sind die Modelle identisch, sie unterscheiden sich nur in der Mokick-Optik. Gebaut wurde der Star von 1964-1975. 

Der große Bruder ist der "Sperber", den gab es von 1966-1972. Der hat einen größeren Motor und schafft 75 km/h. Hier zu beachten, das der richtige Führerschein vorhanden ist.
Von 1972-1975 wurde der Sperber dann als Habicht weitergebaut. Er wurde auf 60 km/h gedrosselt und war somit Autoführerschein-tauglich. 

Der kleine Bruder war der "Spatz", gebaut von 1964-1970. Dieser hatte nur 1 Sitz und 2 Gänge und schaffte die 50 km/h.



 

14.02.2014 19:21

Die Geschichte des Motorrollers


Der mutmaßlich erste deutsche Motorroller wurde damals "Motorläufer" genannt. Er wurde 1919 in Essen von der Firma Krupp herausgebracht. Der Roller hatte eine Gesamtlänge von 1,30 m und hatte einen Vorderradantrieb.

In den 20er Jahren gab es einige Firmen die verschiedene Motorläufer herausbrachten. Die Firma Viktor Klassen brachte von 1920 bis 1923 Motorläufer mit Zweiganggetriebe und 252cm³ Viertaktmotoren auf den Markt. Bis 1923 wurden in Leipzig Motorläufer mit DKW-Zweitaktmotoren von der Motorenfabrik Franz Tautz gebaut.
In Berlin-Johannisthal entstanden um 1923 drei weitere Modelle von Motorläufern bei der Autoflug OHG. Die bekannte Firma DKW benannte sein 1921 gefertigten Motorläufer dann "Sesselmotorrad". Verkauft wurde er unter dem Handelsnamen Golem, dieser hatte einen liegenden 122 cm³ Zweitaktmotor. Die Produktion wurde 1923 eingestellt, nachdem sie an die Berliner Firma Eichler abgegeben wurde. 1922 kam dann das DKW-Sesselmotorrad "Lomos" aus der Werkhalle.

Der Lomos hatte einen Riemenantrieb und einen 142 cm³ Zweitaktmotor. Ebenso wie der Golem hatte auch der LOmos eine Vorderradfederung mit Kurzschwinge. 1924 endete der Bau der Lomos, denn auch diese Produktion wurde an die Firma Eichler in Berlin abgegeben und die Produktion wurde eingestellt.
Danach wurde es einige Jahre ruhiger um den Motorroller. Einen Hype und den weiteren Erfolg in den nächsten Jahren erreichte Piaggio mit der 1946 gebauten Vespa und das Unternehmen Innocenti mit der 1947 gebauten Lambretta. In Deutschland wurde 1949 mit einem der ersten Roller nach dem Krieg die Walba gebaut.

Die typische Form des Rollers stammte von den Motorrollern der alliierten Luftlandetruppen.In den Jahren des sogenannten Wirtschaftswunders von Deutschland brach ein Rollerboom aus. DKW baute 1954-1957 den DKW Hobby mit einem stufenlosem Riemengetriebe. In der damaligen DDR kamen die Schwalbe, SR 50, Berlin, Troll, Wiesel oder der Pitty auf den Markt. Aus der Tchechoslowakei wurden weitere Modelle, wie Cezeta, Manet und Tatran importiert. In den 50er Jahren sprach die Presse aber nicht nur löblich über die neuen Rollermodelle. Denn damals war es noch er lauft, das Frauen, welche als Sozius mitfuhren im Damensitz auf dem Roller saßen. Sie saßen somit seitlich auf dem Roller, wodurch es viele Unfälle gab. In der Presse gab es dann Anfang der 50er eine hitzige Diskussion um die Sicherheit der Rollermodelle.